RACE ON SUNDAY, SMILE ALL MONDAY.

Ein gemeinsamer Bummel über die Techno Classica in Essen brachte Vater und Sohn Engel auf die Idee. Denn genau hier präsentierte sich einer jener legendären BMW 700 Sport, die in den frühen 1960er-Jahren des letzten Jahrhunderts die untere Hubraumklasse aufmischten. Ein echtes Spaßgerät also. Doch das Messeauto war den beiden zu teuer, ihren Traumwagen fanden sie später im Internet. Dieser Netzfund parkt auch fünfzehn Jahre später noch immer in ihrer Garage, lebendiger denn je.

Retter in der Not – der BMW 700.
Der 1959 präsentierte BMW 700 brachte endlich die erhofften Stückzahlen und ermöglichte BMW neue Investitionen. Sein hübsches Kleid hatte der Turiner Karossier Michelotti gezeichnet, die Technik stammte weitgehend vom BMW 600 ab, jener „großen Isetta“, die 1957 vorgestellt worden und mit Fronttür sowie einer einzigen Seitentür sehr ungewöhnlich gestaltet war.

Den BMW 700 mit dem Zusatz „Sport“ gab es nur in der äußerst attraktiven Coupé-Version, seine beiden Fallstromvergaser sorgten mit strammen 40 PS für flottes Vorwärtskommen. In einer Welt, die sich in dieser Fahrzeugklasse sonst mit 15 bis kaum mal 30 PS abmühte, war das schon eine echte Ansage. Dazu war nicht viel Masse in Schwung zu setzen, die Serienversion des BMW 700 Sport wog schlanke 650 Kilogramm. Klar, dass sich so mancher Motorsportler mit kleinem Budget den neuen BMW 700 zulegte.

Gelegenheit macht Siege.
Vater und Sohn Engel fanden ihren Traum-700 fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Vorstellung. Ihr dem letzten Baujahr 1964 entstammendes Coupé war bereits ein echter Racer, trug das Blechkleid tiefer, stützte sich auf breite Reifen und Felgen und bot auch innen Motorsport pur: Schalensitze, Hosenträgergurte und ein stabiler Überrollkäfig spenden die nötige Sicherheit. Motormäßig ging natürlich auch noch was, der Verkäufer raunte von 60 PS, Florian Engel tippt eher auf 50, genau weiß er es gar nicht. Denn was der muntere Zweizylinder-Boxer im Heck zu den Hinterrädern schickt, reicht für ein sehr breites Grinsen. Und so manchen Klassensieg.

Für Florian Engel, dessen Vater schon Rennen fuhr, wurde das leuchtend rote Coupé zur Eintrittskarte in die Welt der Boxengassen und karierten Flaggen. Ob beim Bergrennen am Rossfeld oder beim Flugplatzrennen in Kassel-Calden, Adrenalin und Glückshormone gab es bereits reichlich für den 35-jährigen Personalreferenten und sympathischen Familienvater. Von Pokalen ganz zu schweigen. Wenn sich die Startflagge senkt, kann er jedes Mal hautnah nachempfinden, warum schon Hans Stuck den kleinen BMW 700 so liebte. Er klebt förmlich auf der Straße und vermittelt Gokart-Feeling pur.

Der Hunger kommt beim Essen.
Was steht als Nächstes an? Beim Kauf des roten BMW 700 war eine Ersatzkarosserie dabei. Diese verwandelt sich mittlerweile in ein fast komplettes Auto. Als Motor ist allerdings eine Weiterentwicklung vorgesehen, natürlich wieder von einem BMW-Motorrad. Doch entstammt dieser jetzt einer BMW R 100 R aus den 1970er-Jahren, mit einem Liter Hubraum und 65 PS, das verspricht vor allem viel Drehmoment. Und noch mehr Spaß.

„Race on Sunday, smile all Monday“, könnte man auch dazu sagen.

Florian Engel
Florian Engel
Florian Engel
Florian Engel
Seitenübersicht: Florian Engel